Ratgeber
CE-Kennzeichnung

CE-Kennzeichnung von Maschinen: der Grundlagen-Ratgeber

Was das CE-Zeichen wirklich bedeutet, was in die technische Dokumentation gehört, wann eine notifizierte Stelle nötig ist — und warum "das Zeichen auf dem Typenschild" allein nicht genügt.

6 Min. Lesezeit Aktualisiert August 2026

Die CE-Kennzeichnung einer Maschine ist keine Zertifizierung durch Dritte. In den allermeisten Fällen handelt es sich um eine Selbsterklärung des Herstellers, der in eigener Verantwortung bestätigt, die grundlegenden Sicherheitsanforderungen der EU-Gesetzgebung erfüllt zu haben. Diesen Unterschied zu verstehen ist der erste Schritt, um sich nicht von der Annahme täuschen zu lassen, "das CE-Zeichen zu haben" reiche schon aus.

Was die CE-Kennzeichnung tatsächlich ist

Sie ist kein Qualitätssiegel, sondern eine Konformitätserklärung mit Mindestsicherheits­ anforderungen, die der Hersteller in eigener Verantwortung anbringt. Sie gilt für eine Vielzahl von Produkten — Maschinen, persönliche Schutzausrüstung, elektrische Geräte —, dieser Ratgeber konzentriert sich jedoch auf Maschinen, den häufigsten Fall für Betreiber einer Industrieanlage im EU-Binnenmarkt.

Der Rechtsrahmen: von der Maschinenrichtlinie zur neuen Verordnung

Jahrelang war die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG die Referenz. Seit 2023 gilt die neue Maschinenverordnung (EU) 2023/1230, die sie schrittweise ersetzt, mit voller Anwendung ab Januar 2027. Die wichtigsten Neuerungen betreffen ausdrückliche Anforderungen an Sicherheitssoftware und in Maschinen integrierte KI-Systeme sowie aktualisierte Kriterien für bestimmte als hochriskant eingestufte Kategorien.

Zu beachten

Da es sich um Recht im Übergang handelt, lohnt es sich immer zu prüfen, welche Fassung — Richtlinie oder neue Verordnung — im konkreten Fall für welchen Maschinentyp gilt.

Die technische Dokumentation

Das ist die Sammlung von Unterlagen, die im Detail nachweist, wie die Maschine die grundlegenden Sicherheitsanforderungen erfüllt. Eine vollständige technische Dokumentation enthält typischerweise:

  • Konstruktionszeichnungen und Schaltpläne der Maschine;
  • die während der Konstruktion durchgeführte Risikobeurteilung;
  • die Liste der angewendeten harmonisierten Normen;
  • die Betriebsanleitung in einer für den Anwender verständlichen Sprache;
  • die vom Hersteller unterzeichnete CE-Konformitätserklärung.

Sie muss vom Hersteller mindestens 10 Jahre nach Ende der Produktion der Maschine aufbewahrt werden.

Die Risikobeurteilung: das Herzstück des Prozesses

Das ist der Schritt, der allem anderen erst Substanz verleiht. Das typische Verfahren umfasst die Identifizierung der mit der Maschine verbundenen Gefährdungen, die Abschätzung und Bewertung des Risikos für jede davon sowie die Umsetzung von Minderungsmaßnahmen — zunächst durch Konstruktion, dann durch technische Schutzmaßnahmen, schließlich durch Information für den Anwender. Der Zyklus wiederholt sich, bis das Restrisiko als vertretbar gilt.

Wann eine notifizierte Stelle nötig ist

Für die meisten Maschinen kann der Hersteller die Konformität durch interne Selbstbewertung bescheinigen. Für die in Anhang IV aufgeführten Maschinen — als hochriskant eingestuft, etwa bestimmte Pressen oder Holzbearbeitungsmaschinen mit bestimmten Merkmalen — ist typischerweise die Einbeziehung einer notifizierten Stelle erforderlich, sofern der Hersteller nicht die einschlägigen harmonisierten Normen vollständig anwendet.

Gebrauchte und veränderte Maschinen

Zwei Fälle, die oft Fragen aufwerfen: Eine gebrauchte Maschine, die nie CE-gekennzeichnet wurde, kann bei Weiterverkauf eine neue Konformitätsbewertung erfordern. Und eine wesentliche Veränderung an einer bestehenden Maschine — die deren bestimmungsgemäßen Gebrauch ändert oder das Risiko erhöht — kann die Pflicht zu einer neuen CE-Kennzeichnung auslösen, in Verantwortung dessen, der die Veränderung vornimmt, nicht des ursprünglichen Herstellers.

Und Großbritannien nach dem Brexit?

Großbritannien betreibt für den Markt in England, Schottland und Wales ein eigenes UKCA-Kennzeichnungssystem (UK Conformity Assessed), das parallel zur CE-Kennzeichnung läuft. Ob und bis wann die CE-Kennzeichnung allein weiterhin akzeptiert wird, war wiederholt Gegenstand von Verschiebungen durch die britische Regierung. Wer mit Großbritannien handelt, sollte dies vor jeder konkreten Lieferung anhand der aktuellen offiziellen britischen Vorgaben prüfen — nicht anhand eines Artikels, so aktuell er auch sein mag.

Häufige Fehler

  • Glauben, das Zeichen auf dem Typenschild genüge, ohne eine echte technische Dokumentation dahinter — genau die zählt bei einer Kontrolle oder nach einem Unfall.
  • Maschinen von außerhalb der EU kaufen, ohne die tatsächliche Verfügbarkeit der technischen Dokumentation und der Konformitätserklärung zu prüfen.
  • Die Risikobeurteilung nicht aktualisieren nach wesentlichen Änderungen an der Anlage oder dem Produktionsprozess, in den die Maschine eingebunden ist.

Häufig gestellte Fragen

Ist die CE-Kennzeichnung eine Zertifizierung durch eine externe Stelle?

Nein, in den allermeisten Fällen ist es eine Selbsterklärung des Herstellers. Ausnahme ist eine begrenzte Liste von Maschinen mit hohem Risiko (Anhang IV der Maschinenrichtlinie/-verordnung), für die typischerweise eine notifizierte Stelle einzubeziehen ist.

Wer ist für die CE-Kennzeichnung verantwortlich: der Hersteller oder wer die Maschine installiert?

Der Hersteller trägt die primäre Verantwortung. Wer eine bestehende Maschine wesentlich verändert — den bestimmungsgemäßen Gebrauch ändert oder das Risiko erhöht —, übernimmt die Verantwortung für den veränderten Teil.

Wie lange muss die technische Dokumentation einer Maschine aufbewahrt werden?

Mindestens 10 Jahre nach Ende der Produktion der Maschine, sofern die jeweils geltende Verordnung nichts anderes vorsieht.

Was ändert sich mit der neuen EU-Maschinenverordnung (EU) 2023/1230?

Sie behandelt erstmals ausdrücklich Sicherheitssoftware und in Maschinen integrierte KI-Systeme und aktualisiert die Kriterien für bestimmte Hochrisikokategorien. Sie ersetzt schrittweise die Richtlinie 2006/42/EG, mit voller Anwendung ab Januar 2027.

Gilt die CE-Kennzeichnung nach dem Brexit noch für den Verkauf von Maschinen in Großbritannien?

Großbritannien hat mit UKCA ein eigenes Kennzeichnungssystem für den Markt in England, Schottland und Wales, das parallel zur CE-Kennzeichnung läuft. Der Zeitpunkt, ab dem die CE-Kennzeichnung allein nicht mehr akzeptiert wird, wurde von der britischen Regierung mehrfach verschoben — vor jeder konkreten Lieferung sollte die aktuelle offizielle Regelung geprüft werden.